Was tust du? Ich atme!
Über Traurigkeit, innere Spaltung und die stille Kraft, in die Gegenwart zurückzukehren
Dein Atem ist immer da.
365 Tage im Jahr.
24 Stunden am Tag.
Rund um die Uhr.
Wenn du schläfst, ist er da.
Wenn du weinst, ist er da.
Wenn du lachst, ist er da.
Wenn du liebst, ist er da.
Wenn du nicht mehr kannst - er ist da.
Er bleibt. Immer.
Du kannst weder morgen atmen noch gestern.
Atmen kannst du nur jetzt.
Das heißt: Dein Atem kennt nur Gegenwart.
Dein Geist nicht.
Deine Gedanken gehen zurück zu dem, was war.
Zu dem, was wehgetan hat.
Zu dem, was fehlt.
Oder sie gehen nach vorn, zu dem, was kommen könnte.
Zu dem, was Angst macht.
Zu dem, was du festhalten willst.
Entweder träumst du von der Zukunft oder du hängst längst vergangenem nach.
Dein Geist wandert. Dein Atem nicht.
Und vielleicht beginnt genau hier das Verstehen:
Dein Körper lebt im Jetzt. Dein Geist fast nie.
Und genau das ist diese innere Spaltung.
Vielleicht sind wir nicht nur traurig, weil etwas fehlt. Vielleicht sind wir auch traurig, weil wir uns selbst so oft verpassen. Weil unser Körper den Moment lebt, während unser Geist ihn verlässt. Und wir merken es noch nicht mal.
Das Leben findet statt.
Hier.
Jetzt.
In diesem Atemzug.
Und so geschieht etwas Merkwürdiges:
Du lebst ohne dich.
Ist das nicht traurig?
Der Atem ist immer treu.
Er geht nicht zurück. Er greift nicht voraus. Er bleibt. Bei dir. Im Jetzt. In jedem Augenblick. Darum kann auch nur der Atem dich zurückholen.
Zu deinem Körper.
Zu deinem Leben.
Zu diesem Moment.
Vielleicht beginnt Frieden genau dort:
Wenn dein Geist für einen Moment still wird.
Wenn er wieder dort ankommt, wo dein Körper die ganze Zeit war.
Hier.
Jetzt.
Der Geist muss ins Hier und Jetzt gebracht werden, denn es gibt keine andere Zeit.
-Osho (Das orangene Buch)


